Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Über Diesen Blog

  • : Blog für Friedenstexte
  • Blog für Friedenstexte
  • : Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligungen
  • Kontakt
2. September 2009 3 02 /09 /September /2009 08:07

Gestern endete also dieser Friedenslesungs-Netzwettbewerb um den "Friedenstext des Monats".
Gestern fand im Kulturforum Hellersdorf die Friedenslesung 2009 statt, die zweite nach dem 2007er Wettbewerb mit selbst geschriebenen Beiträgen von deutschen Friedensautoren.
Vorgestern beteiligte ich wieder einmal mit eigenen Friedensgedichten an der Mahnwache der "Mütte gegen den Krieg" auf dem Alexanderplatz.

Das sind die drei Ereignisse.
Zum ersten: Ich gebe zu, ich hatte mir größerer Resonanz gerechnet, mit politischer Unterstützung vielleicht auch noch. Meist aber blieben offenbar die engagierten Friedensautoren mit ihrer unmittelbaren Anhängerschar unter sich. Immerhin merkten sie, dass sie nicht ganz allein sind. Mancher mag die Statistik auch positiv sehen. Immerhin haben wir 13 Monate durchgehalten - und bis ausgerechnet auf diesen August mit immer mehr als 2000 Mitwirkenden im Monat. Für politisches Gewicht ist dies einfach zu wenig. Da müssen wir uns verstecken.

Zum zweiten: Der Saal des Kulturforums sah nicht leer aus. Es waren außer den Autoren und ihren Bekannten sogar einige Interessierte gekommen und ihnen wurde ein eindrucksvolleres Programm dargeboten, als ich das nach der Lektüre der eingesandten Beiträge befürchtet hatte. Die Beteiligung von Autoren hatte sich in Grenzen gehalten; insgesamt waren beim ersten Wettbewerb 2007 fünfmal soviele Beiträge, darunter auch zahlreiche ausländische eingegangen, was nicht zuletzt mit der diesmal extrem gestauchten zeitlichen Organisation zusammenhing.
Bei den Beiträgen wurde zurecht moniert, dass kaum FRIEDENStexte darunter waren, sie sich im Wesentlichen auf die Verurteilung der Kriegsgrauen konzentrierten. Allerdings waren durchaus auch Beiträge dabei, die die Zuhörer (nicht nur der exzellenten  Vortragswise vom Ex-Nachrichtensprecher Klaus Feldmann wegen) spannend fanden.  Womit das Hauptproblem angesprochen ist: Mit Anfang fünfzig die "Jugend" zu repräsentieren kann man nur mit Selbstironie verkraften. Echte Jugendliche wurden nicht erreicht - allerdings fürchte ich, wurde dies durch den Kulturring auch nicht angestrebt. Dabei sind es die heutigen Jugendlichen, die in die heutigen Jugendlichen, die in die heutigen Kriege, pardon: humanitären Friedenseinsätze, geschickt werden.

 

Zum dritten: Seit dem deutschen Überfall auf das damalige Jugoslawien halten sie durch, die "Mütter gegen den Krieg", jeden Montag, immer von 18 bis 19 Uhr. Sehr amateurhaft sieht er aus, ihr Auftritt. Aber das ist eher eine Stärke. Es ist persönliches Engagement. Nur mitunter vergiftet Verbitterung den Ton. Wie nicht anders zu erwarten laufen an diesem Knotenpunkt die meisten vorbei, viele achtlos, viele in heimlicher Angst, angesprochen zu werden. Da ist es zwar zu verstehen, aber eben total kontraproduktiv, wenn dann aus dem Kreis der Friedensengagierten die Vorübergehenden beschimpft werden. Für mich als Lyriksprecher war dies beschämend und ablenkend zugleich.

 

Zusammenfassend: Die Zahl derer, die auf ein neues Gebrüll "Wollt ihr den totalen Krieg?" entgeistigt "Jaaaaaaa!" antworten ist zwar klein, aber der tägliche "Kleinkrieg" um minimale Vorteile irgendeinem Anderen gegenüber lässt wirksamen Widerstand noch nicht aufleuchten.

 

Deutsche Zinksärge - wo seid ihr? 

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Slov ant Gali
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Evelin Ruehle 02/23/2010 09:55


Nachdem ich den Text »Weizen«gelesen habe, musste ich mir sagen, dass darin viel Melodrama, Schicksal und schoene Namen vorkommen. Die Auszeichnung war also gewissermaßen damit vorgezeichnet.
Allerdings habe ich darin nicht das leiseste Anzeichen für eine wie auch immer geartete Bemühung in Richtung Frieden erkennen koennen, es sei denn man sehe den Chanukka-Leuchter als solchen an.
Der aber generiert hoechstens ein bisschen Gutes für die Leute aus seinem Einzugsbereich - alles, was darueber hinausgeht, wird gnadenlos bekaempft - und dieses Unrecht wird von der
Friedensinitiative nicht einmal leisestens erwaehnt.
Da werden Opfer aus einer anderen Zeit hochgejubelt und deren heutige Opfer voellig uebergangen.
Da ist es kein Wunder, wenn ehrliche, leidenschaftliche und umfassendere Auseinandersetzungen mit Fragen des Krieges und des Friedens ueberhaupt keinen Anklang finden. Die sind dann alle fuer die
Katz.

Was wir brauchen, ist ein selektiver Frieden - so herrlich leuchtend wie 'Weizen und Chanukka' ...

e.r.


Free SMS 10/06/2009 22:00


hey klasse artikel.. :) Weiter so..

mfg alex


Angelika 09/03/2009 20:15

Lieber Slov, die Evelyn meint vermutlich, warum keine offiziellen 'Endsieger' angegeben sind - wie 2007 - und was nun mit den Gedichten geschieht. Sollten sie nicht weitergeleitet werden? Die Initiative darf nicht versinken...vielleicht hat noch jemand neue Einfälle.
Ich gerade nicht viel, da ich morgen ja verreise - aber deine ersten Nachbemerkungen machen schon sehr nachdenklich - ich finde vieles sehr gut, z.B. die Jungen anzusprechen usw.. Nur, für mich klingt manches ein wenig zu traurig. Warum - es war so eine schöne Sache hier, diese vielen Texte zu sammeln - dann die letzte Veranstaltung am 1.9. mit berührenden Texten, rundherum....was machen wir nun als nächstes?

Bis dann, spätestens bis Anfang Oktober, wenn ich zurück bin.
Angelika

Slov 09/03/2009 13:10

Das, was da vor ca. 10 Tagen erschienen ist, war nur hilfsweise die Auflistung des Friedenslesungswettbewerbs des Kulturrings.
Diese Bemühungen um die Friedensblogs ruhen nur.
Die Texte sind ja weiter für jedermann erreichbar, die täglichen und monatlichen Auswertungen auch.

Evelin Rühle 09/03/2009 12:04

Hallo,

Die Liste mit den Auswertungen ist vor etwa zehn Tagen flüchtigst zu sehen gewesen - und sofort in der Versenkung verschwunden.
Das ist so, als hätte man den ganz Elan, der in den über 500 Beiträgen steckt, bloß hier eingesammelt, um ihn dann noch effektiver, von berufener Seite aus, zu ersticken.

Evelin Rühle