Gestern endete also dieser Friedenslesungs-Netzwettbewerb um den "Friedenstext des Monats".
Gestern fand im Kulturforum Hellersdorf die Friedenslesung 2009 statt, die zweite nach dem 2007er Wettbewerb mit selbst geschriebenen Beiträgen von deutschen Friedensautoren.
Vorgestern beteiligte ich wieder einmal mit eigenen Friedensgedichten an der Mahnwache der "Mütte gegen den Krieg" auf dem Alexanderplatz.
Das sind die drei Ereignisse.
Zum ersten: Ich gebe zu, ich hatte mir größerer Resonanz gerechnet, mit politischer Unterstützung vielleicht auch noch. Meist aber blieben offenbar die engagierten Friedensautoren mit ihrer
unmittelbaren Anhängerschar unter sich. Immerhin merkten sie, dass sie nicht ganz allein sind. Mancher mag die Statistik auch positiv sehen. Immerhin haben wir 13 Monate durchgehalten - und bis
ausgerechnet auf diesen August mit immer mehr als 2000 Mitwirkenden im Monat. Für politisches Gewicht ist dies einfach zu wenig. Da müssen wir uns verstecken.
Zum zweiten: Der Saal des Kulturforums sah nicht leer aus. Es waren außer den Autoren und ihren Bekannten sogar einige Interessierte gekommen und ihnen wurde ein eindrucksvolleres Programm
dargeboten, als ich das nach der Lektüre der eingesandten Beiträge befürchtet hatte. Die Beteiligung von Autoren hatte sich in Grenzen gehalten; insgesamt waren beim ersten Wettbewerb 2007
fünfmal soviele Beiträge, darunter auch zahlreiche ausländische eingegangen, was nicht zuletzt mit der diesmal extrem gestauchten zeitlichen Organisation zusammenhing.
Bei den Beiträgen wurde zurecht moniert, dass kaum FRIEDENStexte darunter waren, sie sich im Wesentlichen auf die Verurteilung der Kriegsgrauen konzentrierten. Allerdings waren durchaus auch
Beiträge dabei, die die Zuhörer (nicht nur der exzellenten Vortragswise vom Ex-Nachrichtensprecher Klaus Feldmann wegen) spannend fanden. Womit das Hauptproblem angesprochen ist:
Mit Anfang fünfzig die "Jugend" zu repräsentieren kann man nur mit Selbstironie verkraften. Echte Jugendliche wurden nicht erreicht - allerdings fürchte ich, wurde dies durch den Kulturring auch
nicht angestrebt. Dabei sind es die heutigen Jugendlichen, die in die heutigen Jugendlichen, die in die heutigen Kriege, pardon: humanitären Friedenseinsätze, geschickt werden.
Zum dritten: Seit dem deutschen Überfall auf das damalige Jugoslawien halten sie durch, die "Mütter gegen den Krieg", jeden Montag, immer von 18 bis 19 Uhr. Sehr amateurhaft sieht er aus, ihr Auftritt. Aber das ist eher eine Stärke. Es ist persönliches Engagement. Nur mitunter vergiftet Verbitterung den Ton. Wie nicht anders zu erwarten laufen an diesem Knotenpunkt die meisten vorbei, viele achtlos, viele in heimlicher Angst, angesprochen zu werden. Da ist es zwar zu verstehen, aber eben total kontraproduktiv, wenn dann aus dem Kreis der Friedensengagierten die Vorübergehenden beschimpft werden. Für mich als Lyriksprecher war dies beschämend und ablenkend zugleich.
Zusammenfassend: Die Zahl derer, die auf ein neues Gebrüll "Wollt ihr den totalen Krieg?" entgeistigt "Jaaaaaaa!" antworten ist zwar klein, aber der tägliche "Kleinkrieg" um minimale Vorteile irgendeinem Anderen gegenüber lässt wirksamen Widerstand noch nicht aufleuchten.
Deutsche Zinksärge - wo seid ihr?
| Februar 2010 | ||||||||||
| M | D | M | D | F | S | S | ||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | ||||
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | ||||
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | ||||
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | ||||
|
||||||||||